Körperflüssigkeiten sind Metaphern, die sich nicht nur Churchill im Kampf gegen Hitlerdeutschland nutzbar machte.
Sie markieren das Eigentliche, um das es hinter tagespolitischen Ereignissen, kulturellen Trends und religiösen Disputen in Wirklichkeit geht.
Alle drei Flüssigkeiten – Blut, Schweiß und Tränen – werden kontextbedingt positiv oder negativ gedeutet. In der medialen
Öffentlichkeit sind sie omnipräsent, von der Berichterstattung aus Kriegs- und Katastrophengebieten bis zu allen Sparten des Gefühls- und Actionkinos.
Im realen Leben sollen sie jedoch möglichst nicht in Erscheinung treten. Der heile, saubere und schmerzfreie Körper ist das Ideal.
Seine Verletzlichkeit und Versehrtheit sind Motor für Kunst, Mythologie und Frömmigkeit.
Diesen Diskrepanzen geht die Ausstellung „Blut – Schweiß – Tränen“ auf den Grund und zieht eine Spur der Körpersäfte durch das Volkskundemuseum: Blut tropft von durchstoßenen Herzen und leidenden Skulpturen, Schweiß rinnt betenden Jungfrauen über die Schläfen und glänzt auf den angespannten Muskeln wackerer Arbeithelden.
Tränen triefen aus Briefen, kullern in Votivbildern und werden im Volkslied leise zerdrückt.